Das Erste, was ich zu meinen Eltern sagte, nachdem ich aus Griechenland zurückgekommen war: "Ich wollte gar nicht wieder nach Hause, so schön war es dort!" Doch jetzt erst mal von vorne … Am letzten Donnerstag im März ging es los: Elf Schülerinnen und Schüler aus der 8. und 9. Klasse sowie unsere Begleitlehrkraft Herr Löffler trafen sich am Flughafen in München. Nach einem Zwischenstopp im sonnigen Athen landeten wir gegen fünf Uhr nachmittags in Heraklion, wo es leider regnete. Die Gastfamilien, die uns mit Willkommensschildern empfingen, warteten schon sehnsüchtig auf uns. Kaum zu Hause bei meiner Gastfamilie angekommen, bekam ich auch gleich griechische Süßigkeiten serviert, die ich probieren sollte. Für mein Gastgeschenk bedankten sie sich überschwänglich. Als es Abendessen gab, staunte ich nicht schlecht: Mein Teller war voll mit griechischen Köstlichkeiten. Auch in den anderen Familien waren die Portionen riesig, wie mir berichtet wurde. Meine Austauschpartnerin Fotini erzählte mir, während ihre Mutter mir Gemüse auf den Teller häufte, dass die Griechen immer noch einen Löffel mehr auftun, auch wenn der Gast schon "genug" gesagt hat, um ja sicherzugehen, dass es nicht zu wenig ist. Alle sorgten sich um uns, alle gaben ihr Bestes, damit wir diese neun Tage auf Kreta nie vergessen würden. Und das werden wir auch nie. Die Menschen in Griechenland sind alle so gastfreundlich, herzlich und lieb, insbesondere natürlich die Austauschschüler, ihre Familien und ihre Lehrerinnen.

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Auch wenn die Griechen selber nicht so zufrieden mit dem Wetter waren, ich war es auf jeden Fall, schließlich hatten wir immer über 20 Grad. Das war ideal für unsere Ausflüge. In kurzer Zeit sahen wir sehr viel. Als wir den berühmten Tempel von Knossos besichtigten, hatten wir wunderschönes Wetter und so mancher zog sich einen Sonnenbrand im Nacken oder im Gesicht zu. Anschließend fuhren wir zum Sportclub von Heraklion, wo wir Tennis und Basketball spielen konnten. An einem anderen Tag fuhren wir in die 30.000-Einwohner-Stadt Rethimnon, dort wagten sich auch ein paar von uns ins Meer. Das Wasser war sehr kalt, aber wenn man sich im Wasser bewegte, war es mit der wärmenden Sonne gut auszuhalten. Außerdem sahen wir Gräber und Ausgrabungen aus minoischer Zeit, den Palast von Malia, gingen ins Archäologische Museum von Heraklion, bekamen eine Stadtführung durch die Altstadt, unternahmen eine Wanderung durch eine Schlucht entlang eines Bächleins und ein paar von uns trafen sich auch in einem Aquarium wie "Sea-Life". Doch der für mich schönste Ausflug war der zu der kleinen Insel Spinalonga, die wir mit dem Schiff erreichten. Sie ist nur 250 mal 450 Meter groß und liegt etwa 500 Meter von Kreta entfernt. Mit der Unabhängigkeit Kretas mussten 1903 die muslimischen Einwohner die Insel verlassen, auf der nun Leprakranke kaserniert werden sollten. Bis 1957 blieb die Insel eine der letzten Leprakolonien mit einer kompletten Infrastruktur. Heute ist sie unbewohnt und inzwischen zu einer Touristenattraktion geworden, weil sie neben der wuchtigen Burganlage und der gut dokumentierten und präsentierten Einrichtung gerade im Frühling mit den schönsten Blumen in Weiß und Gelb wundervoll anzusehen ist. Der Blick aufs Meer, der Wind, der durch die Haare streicht und die wärmende Sonne im Gesicht lassen die dunkle Vergangenheit dieser Insel beinahe vergessen.

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Auch in der Schule waren wir an zwei Vormittagen, doch am regulären Unterricht nahmen wir so gut wie nicht teil. Mit Fotini besuchte ich an zwei Nachmittagen einen außerschulischen, von ihren Eltern bezahlten Nachmittagsunterricht. Vier Mal die Woche geht sie in diese Sprachschule, um Englisch und Deutsch vertieft zu lernen. Freizeit bleibt ihr also kaum, eigentlich nur am Wochenende oder am Abend. Das ist auch der Grund, warum die griechischen Schüler später schlafen gehen, weil sie sich abends noch mit Freunden in der Stadt treffen.

Die Zeit verging viel zu schnell. Gerade hatte man sich eingelebt und war mit der neuen Umgebung vertraut, hieß es auch schon wieder Abschied nehmen. Nach einer sehr lustigen Party am letzten Abend in der Schule schliefen wir alle nur wenige Stunden, denn um fünf Uhr morgens sollten wir uns schon wieder am Flughafen treffen, da um sieben Uhr unser Flieger nach München ging. Dort wurden wir dann drei Stunden später von unseren Eltern empfangen.

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In Regensburg

Nach den Osterferien war es so weit. Die Freude war groß, als wir die Griechen hier in Regensburg erwarteten. Es gab gleich ein bayerisches Mittagessen in der Schulmensa, nachdem die griechischen Schüler und die zwei Lehrerinnen von Eltern und Herrn Löffler am Flughafen abgeholt worden waren. Es gab Schweinsbraten mit Kartoffelknödel, verschiedene Salate, Radieserl und Brezn und zum Nachtisch Kaiserschmarrn mit Apfelmus. Nach einer Weile fuhren wir dann alle nach Hause, damit die Gäste sich erst einmal von der Reise erholen konnten, die für manche Griechen im Übrigen der erste Flug und der erste Trip ins Ausland war. Dort ist es nicht selbstverständlich, dass man in den Ferien immer in den Urlaub fährt. Bei uns zu Hause lernte Fotini endlich meinen Bruder kennen und dann breitete sie eine Unmenge an Geschenken vor uns aus. Es war fast wie Weihnachten! Griechische Kräuter und Tees, griechischer Kaffee und Kekse, Seife und kleine Handtücher, jeweils ein T-Shirt für mich und meinen Bruder und zu guter Letzt ein Armband.

Am nächsten Tag bekamen wir nach einem Vormittag in der Schule, an dem die Griechen die Schule besichtigten und sich gemeinsam mit den Schülern der 9. Klasse Einblicke in das römische Leben am Limes als Vorbereitung für die Fahrt mit dem Römerschiff erarbeiteten, eine Stadtführung durch die Regensburger Altstadt. Es war furchtbar kalt, es regnete, und wir alle waren durchgefroren. Anschließend besichtigten wir die alte Schnupftabak-Fabrik in der Gesandtenstraße, in der wir selbst noch nicht gewesen waren. Wir durften hinterher auch schnupfen, die, die unter 16 Jahren waren, aber nur eine Art Fake-Tabak, bestehend aus Stärke und Aroma. Die meisten waren begeistert und manche Griechen wollten gleich wissen, wo man den Schnupftabak kaufen kann.

Am nächsten Tag unternahmen wir unseren ersten Ausflug nach München. Es war schon wieder kalt und regnerisch. Wir gingen ins Deutsche Museum und bekamen wieder eine Führung. Danach hatten wir Zeit, in der Münchner Innenstadt selbstständig shoppen und essen zu gehen oder uns in einem Café mit einer heißen Schokolade aufzuwärmen. Drei Tage später waren wir noch einmal in München. Diesmal nahmen wir an einer Führung durch die Allianz-Arena teil. Anstatt mit den anderen mit dem Zug zurück nach Regenburg zu fahren, trafen Fotini und ich meine Eltern und meinen Bruder in München. Dann stießen auch unser griechischer Verwandter Alexander und seine Freundin zum Mittagessen dazu. Alexander spricht fehlerlos deutsch und studiert derzeit in München. Als wir unsere Speisekarte bekommen hatten, halfen er und seine griechische Freundin Fotini beim Übersetzen und Bestellen. Zusammen mit Alexander, dessen Mutter ich in Heraklion getroffen hatte, besuchten wir in München noch das Lenbachhaus.

Wunderschön waren auch die drei Ausflüge mit dem Schiff, der erste zur Walhalla, der zweite durch den Donaudurchbruch zum Kloster Weltenburg, der ältesten Bierbrauerei der Welt, und am letzten Tag hieß es, selbst die Ruder in die Hand nehmen und die Römergaleere über die Naab steuern. An diesem letzten Abend gab es auch bei uns eine Abschlussfeier in der Mensa. Es wurde gegrillt und gab wieder ein großes Buffet. Als wir alle fertig gegessen hatten, schauten wir uns eine fabelhafte Präsentation mit Bildern der letzten Tage an, die Amelie erstellt hatte, woraufhin viele Griechen weinen mussten. Es war so emotional, dass wir uns alle umarmten, denn uns wurde klar, dass der Abschied nahte. Ich glaube, in dieser letzten Nacht haben wir alle wenig geschlafen.

Am nächsten Tag ging dann alles ganz schnell. Wir brachten die Griechen mit in die Schule, da diese von dort aus nach München gefahren werden sollten. Nachdem wir uns in der ersten Pause noch einmal von den griechischen Schülern und Lehrerinnen, die wir alle lieb gewonnen hatten, verabschiedet hatten, schickte Herr Löffler uns auch schon wieder zurück in den Unterricht.

Wie schnell die Zeit vergeht … , aber eins kann ich mit Gewissheit sagen: Ich würde alles wieder so machen. Man bekommt schließlich nicht oft die Gelegenheit, an einem so einzigartigen, unvergesslichen Austausch mit Kreta teilzunehmen. Wir alle haben in Heraklion sehr viele liebe Menschen kennengelernt und unzählige neue Eindrücke und Erfahrungen gesammelt, die wir für immer in Erinnerung behalten werden. Danke an alle, die uns das ermöglicht haben. Danke an die beiden Schulen, die griechischen Lehrerinnen und natürlich an Herrn Löffler!

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Emilia von Fumetti (8a)

Poster 2