Slideshow6.jpg

"Wann ist ein Mann ein Mann"– Wenn er seine männliche Ehre verteidigt, indem er sich für ein blaues Auge mit entsprechenden Mitteln rächt? Für den jungen Jojo keine Frage, denn wie soll man sich als echter "Loser" sonst Anerkennung verschaffen?

Schließlich ist er vom Jugendrichter dazu verdonnert worden, als Strafe für ein geklautes Mofa Wände im Seniorenheim zu streichen – keine Tätigkeit, die einem in der Clique Pluspunkte einbringen würde! Aber dafür bei Leo, einem Bewohner, auf den Jojo bei seinem unfreiwilligen Malerjob zufällig trifft. "Du hast ja richtig Charakter!", stellt dieser anerkennend fest, als er erfährt, dass Jojo den Diebstahl gar nicht selbst begangen hat, sondern die Schuld sowie die "Strafarbeit" für einen anderen auf sich nimmt. Und Jojo stellt seinerseits fest, dass der alte Opa im Lehnstuhl kein sperriges Möbelstück ist, das nur im Weg herumsteht, sondern ein aufmerksamer Zuhörer.

So entpuppt sich Leo, den der Junge am Anfang als "glotzende Echse" verspottet, nach und nach als verrückter und wehrhafter alter Mann, der schon einmal einen Pfleger, der "mit dir umgeht, als wärst du ein Meerschweinchen", mit seinem berühmten linken Haken niedergeschlagen hat. Aber das ist die Ausnahme für den ehemaligen preisgekrönten Boxer.

Denn obwohl dieser sich mit seinen roten Boxhandschuhen im wahrsten Sinne des Wortes durchs Leben geschlagen hat, gehören für ihn die Niederlagen dazu. Und Jojo lernt vom "roten Leo", dass Boxen ein Sport ist, bei dem es nicht darum geht, den Gegner zu erniedrigen. "Ein richtiger Boxer hat ein Herz, so groß, dass er niemanden hassen kann."

Die Landshuter Theatergruppe "theater spielzeit" unter der Leitung von Gernot Ostermann brachte am 25. Februar 2019 das Jugendtheaterstück von Lutz Hübner in einer gelungenen Mischung von Witz und Nachdenklichkeit auf die Bühne des AMG. Die Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen konnten auf unterhaltsame Weise miterleben, wie sich eine zaghafte Freundschaft zwischen dem Jugendlichen und dem alternden Boxer entwickelt und wie sich ein allmählicher Rollentausch vollzieht: Ist es zuerst Leo, der Jojo Tipps für die Liebe, das Leben und das Boxen gibt, so hilft am Ende der Junge dem älteren Freund, der monotonen Welt des Altenheims zu entkommen … Der von Yannick Zürcher gespielte Jojo gefiel den Schülern mit seinen flotten Sprüchen, seiner Respektlosigkeit und seinem Sarkasmus, aber auch mit seiner Hilfsbereitschaft. Und Gernot Ostermann verkörperte überzeugend den lebenserfahrenen, alternden "Boxer mit Herz". Mit ihrem fesselnden Spiel sowie überraschenden Wendungen in der Handlung gelang den beiden Darstellern das Kunststück, sich 75 Minuten lang die Aufmerksamkeit der 200 Zuschauer zu sichern. Die Erkenntnis, dass auch alte Menschen für Jüngere interessant sein können und dass Gewalt keine Lösung ist, vermittelte sich nicht nur Jojo, sondern auch den Zuschauern auf unaufdringliche Weise.

Und spätestens, als sich der rote Leo mit Hilfe von Jojo unter den Klängen von Grönemeyers Hit "Männer" als Frau verkleidet, wird deutlich, dass eines überhaupt nicht klar ist: "Wann ist ein Mann ein Mann?"

p style="text-align: center;">Boxer1

Boxer2

Boxer3