Am Donnerstag, den 15. Oktober, besuchte die Journalistin und Autorin Andrea von Treuenfeld unsere Schule. Für die Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs las sie aus ihrem Buch Leben mit Auschwitz. Momente der Geschichte und Erfahrungen der Dritten Generation und eröffnete damit einen eindrucksvollen Zugang zum Themenkomplex „Erinnerung und Holocaust“.
Im Mittelpunkt des Buches stehen die Erfahrungen von Enkelinnen und Enkeln, deren Großeltern den Holocaust überlebt haben. In persönlichen Berichten und Interviews schildert Andrea von Treuenfeld, wie die Verfolgung und die traumatischen Erlebnisse der Überlebenden das Leben ihrer Familien bis in die nachfolgenden Generationen hinein prägen. Dabei wird deutlich, dass das Erlebte häufig nicht oder nur bruchstückhaft erzählt wurde. Das Schweigen der Großeltern und Eltern konnte die jüngere Generation ebenso beeinflussen wie die bewusste Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte.
Die persönlichen Geschichten machen auf eindringliche Weise deutlich, dass Auschwitz nicht allein ein historischer Ort und ein Kapitel der Vergangenheit ist. Das Buch verbindet individuelle Lebensgeschichten mit historischen Hintergründen und wirft damit grundlegende Fragen auf: Wie gehen Menschen mit dem Erbe einer solchen Vergangenheit um? Welche Bedeutung hat die Erinnerung für die nachfolgenden Generationen? Und welche Verantwortung erwächst daraus für unsere Gesellschaft heute?
Im Anschluss an die Lesung nutzten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, mit der Autorin ins Gespräch zu kommen. Dabei stellten sie – wie Andrea von Treuenfeld im Anschluss besonders hervorhob – sehr gute und durchdachte Fragen. So entwickelte sich ein lebendiger Austausch, der die gehörten Texte vertiefte und unterschiedliche Aspekte der persönlichen und gesellschaftlichen Erinnerung beleuchtete.
Die Begegnung mit der Autorin ergänzte die unterrichtliche Auseinandersetzung um eine wichtige Perspektive: Historisches Wissen über den Holocaust ist unverzichtbar. Zugleich zeigen persönliche Zeugnisse, wie tief die Ereignisse in das Leben einzelner Menschen und ihrer Familien hineinreichen und wie unterschiedlich die nachfolgenden Generationen damit umgehen. Die Lesung machte deutlich, dass Erinnern mehr bedeutet, als historische Ereignisse zu kennen. Es bedeutet auch, den Menschen hinter den Zahlen und Fakten Aufmerksamkeit zu schenken, ihre Erfahrungen ernst zu nehmen und sich mit den Folgen von Ausgrenzung, Verfolgung und Menschenverachtung auseinanderzusetzen.
Wir bedanken uns herzlich bei Andrea von Treuenfeld für die eindrucksvolle Lesung und den offenen, anregenden Austausch mit unseren Schülerinnen und Schülern. Die Veranstaltung war eine wertvolle Vertiefung des Unterrichtsthemas und ein wichtiger Impuls, sich auch in Zukunft mit der Geschichte des Holocaust und ihrer Bedeutung für unsere Gegenwart auseinanderzusetzen.
Manuela Dennerlohr (Fachschaft Deutsch und Geschichte)